RSV Falkenfels Bühlertal

 

Tranzpirinaica 2003

 
 

Bosch-Radsportler: Vom Atlantik ans Mittelmeer

Auf Jan Ulrichs Spuren quer durch die Pyrenäen
l 200 Kilometer bewältigt / Virus schwächte Sportler

Von ABB- Redaktionsmitglied Klaus-Peter Maier

 Bühl. Portillon und Aspin,Tourmalet und Soudet - bei solchen klangvollen Namen schnalzt jeder Radsportler mit der Zunge. Die Profis der Tour de France haben sich an den giftigen Anstiegen der Pyrenäen gequält, aber nicht nur diese. Auch die Mitglieder der Bosch-Radsportgruppe überquerten die steilen Berge - und lernten dabei ihre Grenzen kennen. Die sportliche Herausforderung auf Jan Ullrichs Spuren war die härteste Tour, die die Pedaleure aus Bühl und dem Umland bislang bewältigt haben. l 200 Kilometer führte das Unternehmen „Transpirinaica" quer durch die Pyrenäen, von Biarritz am Atlantik bis zum Mittelmeer nach Girona. Das zwölftägige Abenteuer war trotz mancher unliebsamer Zwischenfälle ein einmaliges Erlebnis in beeindruckender Landschaft und ein radsportliches Highlight, betonen Erich Müller und Gerd Wickles.



 Dabei verlief die Tour für die 20 Radsportler im Alter von 35 bis 50 Jahren, darunter drei Frauen, und die beiden Begleitpersonen im Fahrzeug zunächst alles andere als rund. Nach dem Flug nach Biarritz fing sich ein Großteil der Radsportler bereits in der zweiten Nacht einen Magen-Darm-Virus ein. Lebensmittelvergiftung diagnostizierte der Arzt, und die sorgte dafür, dass - mit Ausnahme des „Prologes" in Biarritz - keine der vorgesehenen neun Etappen (jeweils 90 bis 155 Kilometer) mit der kompletten Mannschaft gefahren werden konnte. „Die Moral der Gruppe kam durch dieses Vorkommnis total durcheinander. Im Begleitfahrzeug mitfahren zu müssen, das tut schon weh", erläutert Erich Müller, der zusammen mit seinem Bruder Rainer die Tour geplant hatte. Vier Teilnehmer mussten krankeitsbedingt sogar die Reise abbrechen und zurück nach Deutschland geflogen werden

 Ein Unglück kommt bekanntlich selten allein, das mussten auch die Bosch-Radler am eigenen Leib erfahren. Denn nach drei Tagen fiel das Begleitfahrzeug wegen eines defekten Bremszylinders aus. Die Reparatur im rund 80 Kilometer entfernten Pau stellte die Crew vor manche logistische Hürden, musste doch der Hänger mit dem Gepäck, Ersatzteilen und -rädern zum nächsten Standort geschleppt werden. Harry Ebinger, der aus Baden-Baden stammende und bei Vilafranca wohnende Mitorganisator auf spanischer Seite, half den Bühlern dabei mit seinem Auto aus.

 Zum Glück hatte die Gruppe bei dieser Etappe eh einen zweitägigen Aufenthalt eingeplant, denn die Pyrenäen-Königsetappe der Tour de France wollte man sich nicht entgehen lassen. Als begeisterte Zuschauer erlebte die Hälfte des Bühler Teams die Bergankunft der Radsportprofis in Luz Ardiden (l 715 Meter), während sich die anderen im Pyrenäen-Nationalpark erholten und den mit 420 Metern Fallhöhe größten Wasserfall Europas im Gavarnie-Tal bewunderten. Massen von Fans dagegen bei der Königstetappe. „Das war schon gigantisch", so Gerd Wickles, der einen Kilometer unterhalb vom Ziel stand und - umringt von Tausenden der ganz in Orange   gekleideten baskischen Fans - die Stars der Radsportszene hautnah erleben konnte. Nur wenige Kilometer unterhalb fiel die Vorentscheidung der Tour, als Lance Armstrong und Iban Mayo durch einen Zuschauer zu Fall kamen und Jan Ullrich danach durch eine Attacke des späteren Toursiegers Armstrong  wichtige Zeit verlor. Auf welcher Seite die Badener standen, war unstrittig: „Go Jan Go" pinselten sie mit weißer Dispersionsfarbe auf die Straße, und verewigten zudem auf dem Asphalt zugleich ihre Herkunft: RSV Falkenfels Bühlertal und auch Moos stand da zu lesen, denn einige der Teilnehmer gehören dem „Sturmvogel" aus dem Bühler Stadtteil an.

 Doch zurück zur Tour der Bosch-Freizeit-radler. Wie die Profis bewältigten sie unter der Tourenführung von Wendelin Frietsch fast alle Pyrenäen-Pässe der Tour de France, nur in umgekehrter Richtung, so auch die 140 Kilometer lange und 3500 Höhenmeter umfassende Königsetappe. Als nette Geste empfanden es die Teilnehmer, dass drei Familien aus Bühls Partnerstadt Vilafranca vorbeikamen und zwei Etappen mitfuhren. Auf der l200 Kilometer langen Gesamtstrecke quer durch die Pyrenäen absolvierten die Radsportler aus Bühl und dem Umland insgesamt 21 000 Höhenmeter. Fünf bis sechs Liter Flüssigkeit trank jeder Teilnehmer pro Tag, um die Strapazen bei Temperaturen von bis über 40 Grad Celsius durchzustehen. Lediglich sechs Radsportler haben die komplette Tour bewältigt - eine Folge der Virusinfektion, die zahlreiche Teilnehmer über Tage schwer beeinträchtigte. Auch Stürze blieben nicht aus. Drei Fahrer „erwischte" es bei den Abfahrten, sie kamen jedoch mit Prellungen und Schürfwunden davon. Die l 500 Kilometer umfassende Tour von Bühl in die französische Partnerstadt Villefrance im vergangenen Jahr war im Vergleich zu dem jetzigen Unternehmen ein Kinderspiel, meint Erich Müller. Erheblich mehr Kondition und Kraft waren nötig, um die vielen Berge zu überwinden. „Im Schnitt 2 000 Höhenmeter pro Tag - da kommt man schon die die persönlichen Grenzen. Und man kann jetzt nachvollziehen, was die Profis bei der Tour de France leisten müssen, wenn sie jeden Tag in den Sattel müssen."

 Gerade erst von ihrer anstrengenden Fahrt zurück, nehmen die ambitionierten Freizeitsportler bereits weitere Unternehmungen ins Visier. Eine Alpenüberquerung von Nord nach Süd mit den Fahrrad, das könnte durchaus eine neue Herausforderung sein, meinen Gerd Wickles und Erich Müller.

 Die Bosch-Radsportgruppe trainiert im Sommer zwei Mal in der Woche sowie an den Wochenenden und bereitet sich so auf ihre radsportliche Herausforderungen vor. Treffpunkt ist jeweils um 17.30 Uhr bei der Firma Bosch in Bühl. Über die l 200, Kilometer lange Fahrt durch das Gebirgsmassiv zwischen Frankreich und Spanien wollen die Radsportler ausführlich mit Bildern auf ihrer Internetseite informieren (www.rsv-falkenfels.de).

 

 

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