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Bosch-Radsportler:
Vom Atlantik ans Mittelmeer
Auf
Jan Ulrichs Spuren quer durch die Pyrenäen
l 200 Kilometer bewältigt / Virus schwächte Sportler
Von ABB- Redaktionsmitglied Klaus-Peter Maier
Bühl.
Portillon und Aspin,Tourmalet und Soudet - bei solchen klangvollen Namen
schnalzt jeder Radsportler mit der Zunge. Die Profis der Tour de France haben
sich an den giftigen Anstiegen der Pyrenäen gequält, aber nicht nur diese. Auch
die Mitglieder der Bosch-Radsportgruppe überquerten die steilen Berge - und
lernten dabei ihre Grenzen kennen. Die sportliche Herausforderung auf Jan
Ullrichs Spuren war die härteste Tour, die die Pedaleure aus Bühl und dem Umland
bislang bewältigt haben. l 200 Kilometer führte das Unternehmen „Transpirinaica"
quer durch die Pyrenäen, von Biarritz am Atlantik bis zum Mittelmeer nach Girona.
Das zwölftägige Abenteuer war trotz mancher unliebsamer Zwischenfälle ein
einmaliges Erlebnis in beeindruckender Landschaft und ein radsportliches
Highlight, betonen Erich Müller und Gerd Wickles.

Dabei verlief die Tour für die 20 Radsportler im Alter von 35 bis 50
Jahren, darunter drei Frauen, und die beiden Begleitpersonen im Fahrzeug
zunächst alles andere als rund. Nach dem Flug nach Biarritz fing sich ein
Großteil der Radsportler bereits in der zweiten Nacht einen Magen-Darm-Virus
ein. Lebensmittelvergiftung diagnostizierte der Arzt, und die sorgte dafür, dass
- mit Ausnahme des „Prologes" in Biarritz - keine der vorgesehenen neun Etappen
(jeweils 90 bis 155 Kilometer) mit der kompletten Mannschaft gefahren werden
konnte. „Die Moral der Gruppe kam durch dieses Vorkommnis total durcheinander.
Im Begleitfahrzeug mitfahren zu müssen, das tut schon weh", erläutert Erich
Müller, der zusammen mit seinem Bruder Rainer die Tour geplant hatte. Vier
Teilnehmer mussten krankeitsbedingt sogar die Reise abbrechen und zurück nach
Deutschland geflogen werden
Ein Unglück kommt bekanntlich selten allein, das mussten auch die
Bosch-Radler am eigenen Leib erfahren. Denn nach drei Tagen fiel das
Begleitfahrzeug wegen eines defekten Bremszylinders aus. Die Reparatur im rund
80 Kilometer entfernten Pau stellte die Crew vor manche logistische Hürden,
musste doch der Hänger mit dem Gepäck, Ersatzteilen und -rädern zum nächsten
Standort geschleppt werden. Harry Ebinger, der aus Baden-Baden stammende und bei
Vilafranca wohnende Mitorganisator auf spanischer Seite, half den Bühlern dabei
mit seinem Auto aus.
Zum
Glück hatte die Gruppe bei dieser Etappe eh einen zweitägigen Aufenthalt
eingeplant, denn die Pyrenäen-Königsetappe der Tour de France wollte man
sich nicht entgehen lassen. Als begeisterte Zuschauer erlebte die Hälfte des
Bühler Teams die Bergankunft der Radsportprofis in Luz Ardiden (l 715
Meter), während sich die anderen im Pyrenäen-Nationalpark erholten und den
mit 420 Metern Fallhöhe größten Wasserfall Europas im Gavarnie-Tal
bewunderten. Massen von Fans dagegen bei der Königstetappe. „Das war schon
gigantisch", so Gerd Wickles, der einen Kilometer unterhalb vom Ziel stand
und - umringt von Tausenden der ganz in Orange gekleideten baskischen Fans
- die Stars der Radsportszene hautnah erleben konnte. Nur wenige Kilometer
unterhalb fiel die Vorentscheidung der Tour, als Lance Armstrong und Iban
Mayo durch einen Zuschauer zu Fall kamen und Jan Ullrich danach durch eine
Attacke des späteren Toursiegers Armstrong wichtige Zeit verlor. Auf
welcher Seite die Badener standen, war unstrittig: „Go Jan Go" pinselten sie
mit weißer Dispersionsfarbe auf die Straße, und verewigten zudem auf dem
Asphalt zugleich ihre Herkunft: RSV Falkenfels Bühlertal und auch Moos stand
da zu lesen, denn einige der Teilnehmer gehören dem „Sturmvogel" aus dem
Bühler Stadtteil an.
Doch
zurück zur Tour der Bosch-Freizeit-radler. Wie die Profis bewältigten sie
unter der Tourenführung von Wendelin Frietsch fast alle Pyrenäen-Pässe der
Tour de France, nur in umgekehrter Richtung, so auch die 140 Kilometer lange
und 3500 Höhenmeter umfassende Königsetappe. Als nette Geste empfanden es
die Teilnehmer, dass drei Familien aus Bühls Partnerstadt Vilafranca
vorbeikamen und zwei Etappen mitfuhren. Auf der l200 Kilometer langen
Gesamtstrecke quer durch die Pyrenäen absolvierten die Radsportler aus Bühl
und dem Umland insgesamt 21 000 Höhenmeter. Fünf bis sechs Liter Flüssigkeit
trank jeder Teilnehmer pro Tag, um die Strapazen bei Temperaturen von bis
über 40 Grad Celsius durchzustehen. Lediglich sechs Radsportler haben die
komplette Tour bewältigt - eine Folge der Virusinfektion, die zahlreiche
Teilnehmer über Tage schwer beeinträchtigte. Auch Stürze blieben nicht aus.
Drei Fahrer „erwischte" es bei den Abfahrten, sie kamen jedoch mit
Prellungen und Schürfwunden davon. Die l 500 Kilometer umfassende Tour von
Bühl in die französische Partnerstadt Villefrance im vergangenen Jahr war im
Vergleich zu dem jetzigen Unternehmen ein Kinderspiel, meint Erich Müller.
Erheblich mehr Kondition und Kraft waren nötig, um die vielen Berge zu
überwinden. „Im Schnitt 2 000 Höhenmeter pro Tag - da kommt man schon die
die persönlichen Grenzen. Und man kann jetzt nachvollziehen, was die Profis
bei der Tour de France leisten müssen, wenn sie jeden Tag in den Sattel
müssen."
Gerade
erst von ihrer anstrengenden Fahrt zurück, nehmen die ambitionierten
Freizeitsportler bereits weitere Unternehmungen ins Visier. Eine
Alpenüberquerung von Nord nach Süd mit den Fahrrad, das könnte durchaus eine
neue Herausforderung sein, meinen Gerd Wickles und Erich Müller.
Die
Bosch-Radsportgruppe trainiert im Sommer zwei Mal in der Woche sowie an den
Wochenenden und bereitet sich so auf ihre radsportliche Herausforderungen
vor. Treffpunkt ist jeweils um 17.30 Uhr bei der Firma Bosch in Bühl. Über
die l 200, Kilometer lange Fahrt durch das Gebirgsmassiv zwischen Frankreich
und Spanien wollen die Radsportler ausführlich mit Bildern auf ihrer
Internetseite informieren (www.rsv-falkenfels.de).
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